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Kein Gebäude wie jedes andere.

Zur Geschichte des Oranienburger Speichers

Mit einer Höhe von über 35 Metern bildet der ehemalige Getreidespeicher nach der Kirche das zweithöchste Gebäude unserer Stadt. Von nahezu allen Punkten der Kernstadt ist der 1917 errichtete Bau weithin sichtbar. Es entstand auf dem Gelände der 1875 errichteten Oranienburger Dampfmühle. In zentraler Lage in der Mittelstadt Oranienburgs wirkt das Gebäude bis heute stadtbildprägend. Es ist zugleich ein architektonisches Zeugnis aus der Zeit der Industrialisierung Oranienburgs, die mit dem Bau des Oranienburger Kanals in den 1830er Jahren sowie dem Eisenbahnanschluss im Jahr 1877 an Fahrt aufnahm.

Nachdem ein Großfeuer 1916 den vorherigen Getreidespeicher zerstört hatte, entschied man sich zu einem Neubau, der am 12. Oktober 1917 genehmigt wurde. Das Berliner Architektenbüro Enders und Lichtenstein erhielt den Zuschlag. Die Bauausführung erfolgte durch die Berliner Abteilung der Cementbau-Aktiengesellschaft aus Hannover. Sie errichtete aus 165 Tonnen Eisen und 14.000 Säcken Zement eines der ersten Gebäude in Eisenbetonbauweise in unserer Region. Das Silo besaß ein Fassungsvermögen von 4.000 Tonnen Getreide und konnte dank moderner Fördertechnik und einer Sauganlage direkt von der angrenzenden Havel beliefert werden. Bei der äußeren Gestaltung entschied man sich bewusst zu einer stilistischen Rezeption des Oranienburger Schlosses. So ziert die oberen Geschosse des Neorenaissance-Baus eine barocke Fassade, die von einem Turm mit geschwungenem Satteldach und ebenfalls barocken Giebeln geschmückt ist.

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb zunächst die Kampffmeyer-Mühlen GmbH, einer der größten deutschen Anbieter von Getreideprodukten, die Anlage. Durch einen Kurzschluss im Mühlengebäude brannte die Dampfmühle am 20. Mai 1930 vollständig nieder. Lediglich das Speichergebäude konnte von der teilweise sogar aus Berlin angerückten Feuerwehr vor den Flammen bewahrt werden. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde der letzte Mühlenbesitzer, der jüdische Kaufmann Max Lazarus, im Mai 1933 als Geschäftsführer der Oranienburger Lager- und Getreidegesellschaft abberufen, im Oktober 1941 in das Getto Litzmannstadt deportiert und vermutlich 1942 im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Die schweren Bombardierungen Oranienburgs überstand der Speicher weitestgehend unbeschadet und ragte zu Kriegsende über die zu großen Teilen zerstörten Stadt. Nach dem Krieg diente das Gebäude bis zu seiner Stilllegung in den 1980er Jahren weiterhin als Lager. Seiner besonderen historischen Bedeutung verlieh der Kreis 1995 mit der Aufnahme in die Denkmalliste Oberhavels seinen Ausdruck. Damit ist der Speicher seit 2004 auch Teil der gemeinsamen Denkmalliste des Landes Brandenburg.

Das Bauprojekt “Wohnen am Speicher”

Wie ein Investor aus Hamburg vorgab, den Speicher sanieren zu wollen

2016 erwarben insgesamt zwei Unternehmen der TAS-Gruppe aus Hamburg das 15.500 m² große ehemalige Gewerbegrundstück an der Havel im Herzen Oranienburgs. Den größten Teil der Fläche kaufte die TAS OR Projekt GmbH & Co. KG, während die TAS OR Speicher GmbH & Co. KG lediglich das Grundstück, auf dem der historische Speicher steht, erwarb.

Insgesamt sollen im Rahmen des Projekts „Wohnen am Speicher“ 264 Mietwohnungen sowie eine Tiefgarage mit 210 Stellplätzen errichtet werden. Möglicherweise werden die Häuser am Wasser aber auch als Eigentumswohnungen vermarktet. Entsprechend der ursprünglichen Planungen sollten auch 22 Wohnungen mit einer Größe von 60 bis 125 m² in das denkmalgeschützte Speichergebäude integriert werden. So plante die Unternehmensgruppe insgesamt bis zu 70 Millionen Euro in den Standort zu investieren. Mit der Fertigstellung werde bis Ende 2020 gerechnet, so der Investor.

2017 wurde der Bauantrag für die Neubauten gestellt. Die Grundsteinlegung erfolgte im Oktober 2018. Bereits einen Monat zuvor wurde auch der Antrag für den Umbau des Speichers gestellt und letztlich bewilligt. Nur wenige Monate später – im März 2019 – gab der Investor plötzlich bekannt, den Speicher möglicherweise abreißen zu wollen. Laut einem für die TAS erstellten Gutachten weise das Gebäude „substanzielle Schäden“ auf, die bei Kauf noch nicht bekannt gewesen seien. Die Sanierung und der Umbau des Denkmals würden demnach über 12 Millionen kosten.

Mit professionell gestalteten Bildern wie diesem, welches im Oktober 2016 im Oranienburger Stadtmagazin erschien, warb der Investor für sein Projekt.
Mit professionell gestalteten Bildern wie diesem, welches im Oktober 2016 im Oranienburger Stadtmagazin erschien, warb der Investor für sein Projekt.

Am 26.08.2019 reichte die TAS OR Speicher GmbH & Co KG bei der unteren Denkmalschutzbehörde einen entsprechenden Antrag auf Abbruch des ehemaligen Speichers ein. Das Unternehmen berief sich darauf, dass ihm der Erhalt nicht zuzumuten sei, da die Kosten der Erhaltung und Bewirtschaftung des Denkmals dauerhaft nicht durch die Erträge oder den Gebrauchswert aufgewogen würden und argumentierte, dass beide Grundstücke von zwei unterschiedlichen TAS-Gesellschaften unabhängig voneinander beide Grundstücke erworben hätten. Die Denkmalschutzbehörde des Landkreises teilte dem Investor jedoch mit, dass man dem Abriss nicht zustimme, da das gesamte Bauvorhaben bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung als Einheit betrachtet werden müsse. Hiergegen legte die TAS zunächst erfolglos Widerspruch ein und beauftragte die auf Baurecht spezialisierte Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Kapellmann mit ihrer Interessensvertretung. Diese reichte im Auftrag der TAS-Gruppe im August 2020 Klage vor dem Verwaltungsgericht Potsdam ein. Sollte man auf diesem Wege eine Abrissgenehmigung erhalten, wolle man diese umgehend umsetzen, so die TAS-Gruppe.

Die Stadtverordnetenversammlung von Oranienburg bekannte sich am 13. Januar 2020 mit überwältigender Mehrheit per Resolution zum Erhalt des Speichers. Ungeachtet dessen benannte der Investor das Projekt inzwischen in „Louise Oranienburg“ um. Während der Rohbau der Neubauten inzwischen weitestgehend abgeschlossen ist, steht der inzwischen nahezu vollständig eingebaute Speicher – der einst Wahrzeichen und Namensgeber des Quartiers bilden sollte – unverändert im sanierungsbedürftigen Zustand in dessen Mitte.

Ein Gebäude mit Perspektive

Nutzungskonzepte für den Speicher

  • Bislang ist die vom Investor selbst beauftragte Beurteilung des Gebäudes, mit dem er die zu erwartende Kostenexplosion begründet, nicht öffentlich. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich hierbei um ein Gefälligkeitsgutachten handelt und der tatsächliche Zustand des Gebäudes einen wirtschaftlichen Umbau gemäß des ursprünglichen Konzepts erlaubt. Daher sollte diese Option nicht vorschnell verworfen werden.

Deine Stimme zählt!

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